Eifel-Cult

Nachdem ich viele Jahre in NRW lebte, kam ich mal in die Eifel.

Die Häuser mit weißem Putz,  in Reihe gesetzte kleine Fenster mit rotem Sandstein umrahmt und dem mit Schiefer bedeckten Dachern fielen mir positiv auf. Eine Schlichtheit, die nicht aufdringt, sich nicht in den Vordergrund drängen will. Angenehm! Da können andere Merkmale, wie Mensch und Natur  besser wirken. Zum Vergleich:  Ich kenne Gegenden im Südosten Deutschlands, dort gleichen Straßenzüge mit Einfamilienhäusern einer Baustoffhandlung mit seinem reichhaltigen Angebot an unterschiedlichen Materialien.

Erst später merkte ich, dass die Materialien der Eifelhäuser aus der Region kommen, welch „nachhaltiger Gedanke von damals, auch wenn es damals andere Gründe waren. Heute spricht vieles dafür, solches als wertvoll zu erachten.

Imagepflege der Eifel würde ich da erkennen wollen. Material aus der Region. Eindeutigkeit ist besser erkennbar als Vielfalt. Natürlich kann und soll der Bauherr seine Wünsche erfüllen können. Das sollten halt nicht Kopien von der Architektur der Toskana oder New York werden. Zu bedenken ist doch, dass die Einkaufsstrassen in den meisten Städten gleich aussehen. Da ist Trier eine schöne Ausnahme, wo sich Kaufhäuser hinter historischen  Fassaden zurechtfinden müssen und keine großen Fensterfassaden zur Schau stellen können.

Wer nur wegen Konsum unterwegs ist, dem ist es egal, wie die Einkaufsstrassen aussehen. Andere erfreut die Atmosphäre beim Bummeln, das Erlebnis wird als wertvoller wahrgenommen. Darum geht es doch auch in der Architektur. Der Mensch soll sich mein Anblick der Gebäude wohlfühlen können.

Zurück zu mir: Ich habe in einem kleinen Dorf hier in der Südeifel einen sanierbedürftigen alten, unbewirtschafteten Bauernhof gekauft. Rund abgeschliffene Pflastersteine  führen zum Eingang. Der Putz war vielschichtig abgebröckelt, die Fenster ohne Isolation. Da ist doch schnell klar was zu tun ist. Getan, auch im Inneren etliches verbessert. Die ehemalige Räucherkammer wurde dem Bad zugeordnet und ergab eine Dusche 130x 130, die bisher jedem positiv auffiel. Der Durchbruch zeigt auch mal einen Sandstein (Hinweis auf die Entstehung  und Bauart des Gebäudes).

Nun gut, die Decken waren mir bei meiner Größe zu niedrig. Ich nahm einen Umbau einer Scheune in Angriff, die im echten Winkel zum alten Haus steht. Aufgestockt ist nun der Wohnraum offen bis zum Dach, Der ehemalige Misthaufen ist jetzt Carport, darüber entstand eine Terrasse, dem Wohnraum angeschlossen. (Das war übrigens der Punkt, warum ich auf Denkmalpflege verzichtete, die den Punkt Terrasse ausschloss).

Einen individuellen Wunsch konnte ich mir erfüllen, ich wollte von „Oben“ in die Weite schauen können. Ein Turm mit einer verglasten Pyramide ragt über das Dach, zu meiner Freude. Erlaubt wurde das vielleicht auch, weil ich mich im Dorf erstmal um das alte sanierungsbedürftige Haus gekümmert habe. Natürlich sieht man den Unterschied zwischen altem und neuem Haus, größere Fenster, kein Schieferdach, aber eines in grau, der Putzanstrich in der gleichen Farbe, nur eine Nuance intensiver. Für die Einfahrt zum Carport kamen nur rote Sandsteinpflaster in Frage,  plus rote Sandsteinplatten zum besseren gehen. Den Dorfbewohnern gefiel, was ich gebaut habe mit meinen bescheidenen Mitteln. Und das ist doch auch wichtig.

Mein Statement war schon öfters: „Die Eifel ist so schön unverdorben!“.

Allerweltsaussehen ist doch langweilig. Spezifisches ist einprägsam. Man braucht doch auch keine Palmen in der Eifel. Also die Natur macht es uns vor. Niedrigenergie ist sicher ein Zugpferdchen, Schlichtheit ist wertvoller als Protz. Ich lebe gerne hier.

Ein schönes Beispiel ist mir neulich aufgefallen. Die Bepflanzung in Bitburg ist sehr schön gestaltet und wertet dadurch die Stadt auf. Das freut sicher nicht nur mich.

Sie wollten Stimmen hören, also fühlte ich mich aufgefordert. Alles Gute bei dem Projekt.

Ich finde nicht, dass nur Nachahmenswertes angestrebt werden sollte, sondern auch das Bewusstsein in der Bevölkerung für die regionalen Werte, die es gilt zu pflegen. So entsteht Typisches, anstatt eine Mischung von allen Möglichkeiten in der Eifel zu präsentieren. Von Aussen kommend konnte ich das Typische erkennen, die Einheimischen sollten die „Unverdorbenheit“ wertschätzen. Bausünden sind doch schon an etlichen anderen Orten gemacht worden. Gut, wenn man daraus Lehren ziehen kann, um eine sinnvolle Zukunft zu gestalten.

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