Wir sind Heimat 2.0 | Nachgefragt: Historische Gärten

Landschaftsarchitektin Stella Junker © privat

Seit jeher ist Rheinland-Pfalz ein Land der Gärten. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Landschaftsgärten – neben den Schlossparkanlagen und Gärten der Frühindustriellen auch Volks- und Kurparks. Oftmals verwilderten diese mit den Jahren: Schmuckbeete und Blütensträucher verschwanden; Rasenflächen und Baumgruppen wurden durch Wildwuchs junger Bäume unterwandert, Blickbeziehungen verstellt und Wege zu gewuchert. Die Gartendenkmalpflege will diesem Prozess entgegenwirken und durch Pflege und Reparatur die historische Substanz instand halten, erläutert die Autorin und Landschaftsarchitektin Stella Junker aus Worms.

Historische Gärten sind mehr als eine bloße Ansammlung von Pflanzen…
Junker: Ja, aber das wesentlichste Element ist und bleibt die Pflanze. Unsere historischen Gärten sind Kulturdenkmale und damit auch Zeitdokumente. Sie unterliegen einer steten Veränderung und Weiterentwicklung. Vergleicht man beispielsweise Fotos des heutigen Pfrimmparks in Worms mit Aufnahmen zu seiner Bauzeit, ist es beachtlich, wie sich Gärten innerhalb Jahrzehnte entwickeln. Während die barocken Gärten viel mit Formen, Farben und Wasser spielten, erweiterten die englischen Gärten das Repertoire um Gartenbauwerke wie Ruinen oder chinesische Pagoden. Hinzu kamen exotische Pflanzen und Bäume, die von Weltreisen mitgebracht wurden, um sich etwa das ferne China in die Heimat zu übertragen. Im Vordergrund stand nicht mehr das Repräsentative, sondern das Lustwandeln, weshalb sie auch sentimentale oder romantische Gärten genannt werden.

Was macht die Gartendenkmalpflege?
Junker: Sie setzt sich für den Erhalt von Gartendenkmalen ein – von Landschaftsgärten und Parkanlagen über Friedhöfe bis hin zu großräumigen Kulturlandschaften. Besonders wichtig ist dabei die wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der Geschichte des jeweiligen Ortes. Anhand von Originalplänen können so historische Gestaltungsabsichten wieder zum Vorschein gebracht und ursprüngliche Sichtachsen und Wege freigelegt werden.

Vor welchen Herausforderungen steht die Gartendenkmalpflege?
Junker: Während die Unterschutzstellung von Gartendenkmalen erst seit den 1980er Jahren zunehmend Akzeptanz findet, ist die Gartendenkmalpflege heute als Sachgebiet der Denkmalpflege gar nicht mehr wegzudenken. Zu den größten gegenwärtigen Herausforderungen zählen sicherlich der Klimawandel und die sich in der Folge stark verändernde Flora.

Interview (PDF)

Interview: Lena Pröhl

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