Wir sind Heimat 2.0 | In der Pfalz ganz oben

Landrat Rainer Guth im Interview mit „Wir sind Heimat“-Autorin Lena Pröhl

Donnersbergkreis

Entgegen aller Prognosen nimmt die Bevölkerungszahl im Donnersbergkreis zu – Tendenz steigend. Eine wichtige Rolle dabei spielt die regionale Baukultur, weiß Landrat Rainer Guth. Sie ist ein zentraler Standortfaktor.

Was ist das Besondere am Donnersbergkreis?

Guth: Wir sind eine attraktive Wohn- region – mitten auf dem Land und doch so nah an den Zentren. Mainz, Mannheim und Frankfurt sind in kurzer Zeit mit Auto und Bahn zu erreichen. Wir haben eine gute Infrastruktur, ein aktives Vereinsle- ben und eine unvergleichliche Landschaft mit dem Donnersberg, der höchsten Erhebung in der Pfalz. Und was gibt es Schöneres, als den Fernblick von der heimischen Terrasse, die gute Luft und Ruhe zu genießen. Kurz gesagt: Wir sind in der Pfalz ganz oben.

Regionale Baukultur – was bedeutet das für Sie?

Guth: Baukultur ist für mich das, was aus den Traditionen, Religionen und berufsständischen Verbindungen entstanden ist. Ein Beispiel: Wir sind eine alte Bergbauregion. Seit über 200 Jahren stehen Arbeiterhäuser und Direktorenvillen in Einheit nebeneinander und prägen noch heute das Stadtbild. Das ist Baukultur. Typisch für unsere Region sind zudem historische Weingüter, die Erfolg. Moderne Kuben aus Glas, Stahl, Beton und Sandstein ergänzen nun behutsam die historischen Weingüter. Auch das ist Baukultur.
Man muss die Dinge nicht nur bewahren, sondern auch weiterentwickeln. Dabei gilt: Wenn man sich der Geschichte nicht bewusst ist, kann man die Zukunft nicht gestalten.

Wie fördert man regionale Baukultur?

Guth: Indem man Bewusstsein für Baukultur schafft. Was nur die wenigsten wissen: Mittelalterliche Bergkirchen findet man auch bei uns in der Pfalz, etwa in Bad Bergzabern oder Osthofen. Projekte wie „Wir sind Heimat“ helfen, baukulturelle Themen zu bespielen und das Bewusstsein hierfür zu schärfen.
Und: Gute Beispiele rufen Nachahmer auf den Plan. Sie motivieren die Bürgerinnen und Bürger, selbst Geld in die Hand zu nehmen, die Fassade zu streichen, ihr Haus in Stand zu setzen oder ein Bestandgebäude zu erwerben. Gerade bei kulturell interessanten Objekten wie alten Pfarr- oder Bauernhäusern haben wir keinen Leerstand und seien sie noch so abgelegen. Viele Gemeinden sagen: Baukultur, das ist für uns zu teuer!

Guth: Ich sehe das anders. Regionale Baukultur ist ein zentraler Standort- faktor. Ein Blick in den Demografieatlas zeigt: Vor allem junge Menschen ziehen zum Studium weg.
Wenn wir es schaffen, ihnen attrak- tive Städte und Gemeinden zu bieten, wenn sie sehen, wie schön und lebenswert ihre Heimat ist, dann kommen sie später auch wieder.

Geht der Landkreis mit gutem Beispiel voran?

Guth: Es gibt einige Leuchttürme wie die Orangerie. Im Zuge des Neubaus der Stadthalle wurde der ruinöse, jedoch historisch bedeutsame Baudenkmalgerecht saniert, die Freiflächen davor neu gestaltet.
Ein tolles Beispiel, wie man aus alter Struktur im gewerblichen Umfeld Werte schaffen kann, ist die neue Lehrwerkstatt der Eisengießerei Gienanth, der ältesten Fabrik in Rheinland-Pfalz (www.gienanth.de). Auch wenn wir als Kreis nicht alle Bauprojekte finanzieren, nehmen wir doch direkten Einfluss. Wir erteilen die Baugenehmigung, unterstützen beim Fördermittelabruf und koordinieren die Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Unsere Devise: Innen- vor Außenentwicklung, damit unsere gewachsenen Stadt- und Ortskerne attraktiv bleiben.

Heimat ist für mich…

Guth: Da, wo die Erde duftet*, wo sich die Menschen kennen und einander zugewandt sind. 

Interview_Landrat Rainer Guth (PDF)

*Anspielung auf den Film „Wo die Erde duftet“ von Eva Witte aus dem Jahr 2004.

Interview: Lena Pröhl

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