Wir sind Heimat 2.0 | Ein einzigartiges Lebensgefühl

© Lena Pröh

Donnersbergkreis

Lange Zeit stand der Burghof Stauf in Eisenberg leer, bis Marion von Gienanth den heruntergekommenen Gebäudekomplex aus dem Dornröschenschlaf holte: Entstanden ist ein genossenschaftliches Wohnprojekt mit Seminar- und Gästehaus, in dem sich alle Generationen wohlfühlen.

Im Herbst 2015 rückten die Handwerker an, bereits anderthalb Jahre später zogen die ersten Bewohner ein. „Über Annoncen in der Zeitschrift `Schrot und Korn´ suchte ich Menschen, die sich für das gemeinschaftliche Wohnen begeistern“, erzählt Marion von Gienanth, die mit viel Herzblut die Revitalisierung der Burganlage aus dem Jahr 920 vorantrieb. Mindestens 30.000 Euro kosteten die Anteile der Mitglieder der Burghof Stauf Genossenschaft, welche 2015 den Süd- und Ostflügel des Anwesens erwarb und 13 Wohnungen (28-112 Quadratmeter) mit barrierefreiem Zugang über einen angebauten Aufzug realisieren ließ. „In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege“, wie Gienanth betont.

Gemeinschaft wird großgeschrieben
„Im Burghof Stauf wohnen derzeit 18 Erwachsene und 11 Kinder im Alter von 0 bis 86 Jahren“, sagt Gienanth, die selbst hier lebt. „Was uns verbindet? Der Wunsch nach Gemeinschaft und mehr Nachhaltigkeit.“ Das spiegelt sich auch in der Architektur wider: Im Inneren besticht eine pure, klare Gestaltung; natürliche Materialien schaffen eine hochwertige Wohnatmosphäre. Neben den insgesamt 900 Quadratmetern Wohnfläche gibt es stolze 700 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche – darunter einen Aufenthaltsraum, eine Küche, Meditationsräume, ein Kino und eine Sauna. Geheizt wird mit Holz, im Sommer mit Solarenergie. Auch die Außenanlagen auf dem 1,6 Hektar großen Gelände werden gemeinschaftlich bewirtschaftet.

Einfach außergewöhnlich
Um mehr Menschen zu einem besonderen Lebensgefühl zu verhelfen, kaufte Marion von Gienanth den Nordflügel des Gebäudes und richtete dort ein Seminar- und Gästehaus mit 15 Zimmern (10-23 Quadratmeter) ein. „Die Stuttgarter Architekten Stefanie und Martin Naumann haben das Hoteldesign aus einer Klosterzelle heraus entwickelt“, erläutert Gienanth. Die Zimmer sind spartanisch-schlicht eingerichtet. Schränke und Fächer sucht man hier vergeblich. „Um nicht von der Entspannung, ja beim Ankommen bei sich selbst, abzulenken. Deshalb gibt es auch keinen Fernseher“, ergänzt Karsten Bessai, der das Gästehaus seit März 2020 mit seiner Frau führt und die Gäste mit regionaler Küche verwöhnt.

Artikel (PDF)

Text: Lena Pröhl

Schreibe einen Kommentar


7 + fünf =