Ausstellung | Think Earth!

Illustration ©Thomas Dimov

Neues Bauen mit Lehm und Pflanzenfasern

Ressourcenknappheit und Klimawandel stellen unsere Gesellschaft vor wachsende ökologische und soziale Herausforderungen. Das Bauen mit Lehm und Pflanzenfasern kann zur Lösung dieser Probleme beitragen wie kaum eine andere Bauweise. Es steht für ein Bauen der Zukunft, das in Stoffkreisläufen gedacht und an der Wirkungsweise der Natur orientiert ist. Darüber hinaus liefert es überzeugende Lösungen für ein gesundes Raumklima und für eine soziale Baupraxis. Nicht zuletzt wird sein gestalterisches Potential gerade von der Architektur entdeckt.

Die Ausstellung zeigt die 40 preisgekrönten Projekte des TERRA AWARD, des ersten internationalen Preises für Lehmarchitektur. Sie gibt daneben einen detaillierten Einblick in ein vorbildhaftes Projekt aus lasttragenden Strohballen und lässt die Protagonisten des zirkulären Bauens mit Naturbaustoffen ausführlich zu Wort kommen. Die Ausstellung mit dem programmatischen Titel ist noch bis Ende Juni 2021 im Zentrum Baukultur zu sehen.

Das Zentrum Baukultur lädt herzlich ein zur Ausstellung und Podcast | THINK EARTH! | Zeitgenössisches Bauen mit Lehm | 28. April bis 25. Juni 2021.

 

Im Gespräch | Lehmbau und Kreislaufwirtschaft

Thomas Dimov, Architekt und Geschäftsführer zoë circular building gmbh, Zürich

Herbert Hofer, Architekt und Vorstandsmitglied Architektenkammer Rheinland-Pfalz

Andrea Klinge, Architektin, ZRS Architekten, Berlin

Nicolette Baumeister, Büro Baumeister, Architektur Medien Kommunikation

 

Podcast                   hier entlang ab 28. April 2021

Ausstellung             28. April bis 25. Juni 2021

 

Hinweis: Aufgrund der aktuellen Verordnungen des Landes Rheinland-Pfalz behalten wir uns vor die Ausstellung in den digitalen Raum zu verlegen. Weitere Informationen unter www.zentrumbaukultur.de.

 

Termin

Mittwoch, 28. April 2021 – Freitag, 25. Juni 2021

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter:

Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner:

 

THINK EARTH!      

Kurator Thomas Dimov, zoë circular building gmbh, Zürich

 

Ausstellungsteil TERRA Award 

Produktion | Agence MUSEO und amàco
Ausstellungskuratorin | Dominique Gauzin-Müller
Wissenschaftlicher Ausschuss | Patrice Doat, Laetitia Fontaine, Hubert Guillaud

News | Wir haben geöffnet!

Foto: Kristina Schäfer, Main

Das Zentrum Baukultur ist wieder für Sie da!

Ab dem 17. März kann im Zentrum Baukultur im Brückenturm die aktuelle Ausstellung “Germany Street Fronts” besichtigt werden.

Wir erbitten eine Anmeldung per Telefon oder Mail. Gerne kann diese auch direkt am Eingang erfolgen.

Anmeldung:
Telefon: 06131-32742-10
Mail: li@zentrumbaukultur.de

Öffnungszeiten:
Mittwoch – Freitag 14-18 Uhr

Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen:
Wir verfolgen die Entwicklungen der Pandemie und bitten Sie, unsere Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen vor Ort einzuhalten. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist während Ihres gesamten Aufenthalts im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz Pflicht. Zudem ist eine Dokumentation Ihrer Kontaktdaten für die Rückverfolgung vor Ort verpflichtend.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Gespräch | Podcast | Öffentliche Räume und Innenstadtentwicklung

Foto: Kristina Schäfer, Mainz

Konzepte und Ideen für eine funktionierende Innenstadt

Erfrischend und zukunftsweisend sind die Aussichten für öffentliche Räume, die Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, und Reiner Nagel, Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, am 2. März 2021 im Rahmen der Podcast-Produktion im Zentrum Baukultur zeichneten. Anlässlich des Baukulturberichts 2020/21 „Öffentliche Räume“, waren diese das zentrale Thema des Gesprächs. Der im Juni 2020 erschienene Bericht der Bundesstiftung Baukultur war vor Corona inhaltlich abgeschlossen. Doch was hat sich verändert? Gibt es Themen, die neu bewertet werden müssen nach einem Jahr Pandemie? Welche Relevanz der Bericht heute noch hat und wie die Gesellschaft öffentliche Räume wahrnimmt, wurde in dem von Nicolette Baumeister, Büro Baumeister Architekturkommunikation, moderierten Gespräch diskutiert.
Auch hinsichtlich der Innenstadtentwicklung, zeigen Gerold Reker und Reiner Nagel kreative Wege auf. Gerade die Innenstädte, mit teils leerstehenden Ladenzeilen und Büroräumen, machen unmissverständlich deutlich, dass es Zeit ist, Gewohntes in Frage zu stellen, neue Konzepte und Prozesse zu entwickeln.

Das komplette Gespräch können Sie hier anhören.

 

Termin

Dienstag, 02. März 2021

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter:

Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner:

Bundesstiftung Baukultur

Zentrum Baukultur-Podcast | “Wohnraum – bezahlbar und qualitätsvoll”

© Zentrum Baukultur

Ansichten seitens Architektur und Wohnungswirtschaft

Anlässlich der Ausstellung „Deutscher Bauherrenpreis 2020“, die leider wegen der Pandemie nicht im Zentrum Baukultur gezeigt werden konnte, führte Christof Bodenbach, Moderator und Journalist, zwei Telefon-Interviews zum Thema „Wohnraum – bezahlbar und qualitätsvoll“. Seine Gesprächspartner: Alexander Rychter, Vorstand und Verbandsdirektor Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen e.V. und Susanne Wartzeck, Präsidentin Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA). Es wurde unter anderem die Frage gestellt, was beide Branchen voneinander erwarten und welchen Beitrag Wohnungswirtschaft sowie Architektinnen und Architekten gemeinsam leisten können, um den Prozess der Entstehung von wertigem und kostengünstigem Wohnraum positiv zu gestalten.

Im Fokus beider standen dazu Ideen und konkrete Vorschläge, die aufzeigen an welchen Stellschrauben Architektur, Wohnungswirtschaft sowie die Politik drehen könnten, um daraus sinnvolle Grundlagen und Maßnahmen für qualitätsvollen und bezahlbaren Wohnungsbau abzuleiten. Susanne Wartzeck und Alexander Rychter erläuterten ihre Überlegungen und stellten anhand einer beispielhaften Wettbewerbsarbeit des Deutschen Bauherrenpreises 2020, jeweils aus Ihrer ganz persönlichen Sicht, ein gelungenes Beispiel vor.

Die Gespräche | Podcast

Deutscher Bauherrenpreis 2020 | Alle Ergebnisse

Wohnquartier Holsteinstraße in Köln | Im Podcast thematisiert von Alexander Rychter

Studentisches Wohnen in Berlin „SÜDEROOG und NORDEROOG“ | Im Podcast thematisiert von Susanne Wartzweck

Ausstellung | Podcast | Germany Street Fronts

Augustinerstraße, Mainz © panoramastreetline.de

So haben wir unsere Städte noch nicht gesehen

Zu den Street Fronts von Panorama Streetlines hier entlang

Podcast zur Ausstellung

Es spricht Annette Müller, Geschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, mit dem Kurator Jörg Dietrich über seine technische und fotografische Vorgehensweise und die Idee zur Ausstellung.

Ausstellung Germany Streets Fronts

Die Ausstellung Germany Street Fronts richtet einen neuartigen Blick auf Deutschlands Städte. In multi-perspektivischen Streetlines präsentieren wir in kompletten Straßenzügen die Vielfalt und Komplexität des Stadtbilds Deutschlands. Unsere Beispiele zeigen in Themenabschnitten zusammengefasst alle Regionen unseres Landes von Rostock im Norden bis Freiburg im Süden, von Monschau im Westen bis Görlitz im Osten.

In ca. 90 Bildperspektiven aus mehr als 40 deutschen Städten gehen wir der Frage nach, was eine moderne deutsche Stadt ausmacht. Welche Rolle spielt dabei das Baukulturerbe für das Stadtbild? Wie wirkt es sich auf Identität, Attraktivität und Lebensgefühl aus. Welche Spuren hinterlassen Veränderungen im Laufe der Zeit und in einer sich wandelnden Gesellschaft im Stadtbild? Wie fügen sich Architekturstile verschiedener Epochen im deutschen Stadtbild zusammen?

Neben Informationen zum Thema Nachhaltigkeit und einem statistischen Überblick zur Baukultur Deutschlands wird der Besucher anhand von Themen durch die Ausstellung geführt. Welche Rolle spielen Marktplätze für deutsche Städte, warum bilden Flusslandschaften oft ihren Mittelpunkt, wie prägt Industriearchitektur unsere Städte? Weitere Panoramen zeigen den Wohlstand im Fassadenbild der großen Einkaufsstraßen, die heute noch jene sind, welche einst die mittelalterlichen Handelswege ausmachten. Die Zöllnerstraße in Celle steht als Beispiel für die geschlossenen Fachwerk-Ensemble wie man sie oft in niedersächsischen oder hessischen Städten findet, die Nikolaistraße in Leipzig repräsentiert die gründerzeitliche Pracht der einstigen Pelzhändler am Brühl, jedoch gebrochen durch einen optisch eingepassten Plattenbau aus DDR-Zeiten. Als Beispiel der Moderne zeigt sich das Bauhaus Dessau in unbekannter Frontalansicht neben Bauten aus Berlin oder Leipzig. Der Bogen wird darüber hinaus über Plattenbauten aus Ost- und Westdeutschland bis hin zu zeitgenössischen Beispielen wie der Hafen-City in Hamburg gespannt.

Die Stadtbildperspektiven der Ausstellung geben dank der technischen Bearbeitung einen ungewohnten Blick auf unterschiedlichste Straßenzüge. Statt den typischen Blick von einem Standpunkt aus abzubilden, wurden für die Panoramen Aufnahmeserien von mehreren Positionen entlang der jeweiligen Straße aufgenommen. Zu einem nahtlosen Panoramablick, der sogenannten Streetline, verarbeitet, kann der Betrachter die Straßenfassade visuell entlangspazieren.

PanoramaStreetline zelebriert die Einzigartigkeit der Architektur unserer Städte in Straßenzügen. Es entstehen Bildmontagen, die man so noch nicht zuvor sehen konnte. Der Fokus liegt dabei auf der Einzigartigkeit und Tradition von architektonischen Entwicklungen verschiedener Orte.

Germany Street Fronts war ein Beitrag zu „wunderbar together“ dem Deutschlandjahr USA, den Fotograf Jörg Dietrich im Auftrag der Goethe Institute realisierte. Das Ausstellungsprojekt wanderte 2019 durch verschiedene Goethe Institute der USA, war unter anderem in Kansas-City, Houston, Seattle sowie in Dresden im Zentrum für Baukultur zu sehen.

Das Zentrum Baukultur lädt herzlich ein zur Ausstellung | Germany Street Fronts | So haben wir unsere Städte noch nicht gesehen | 24. Februar bis 1. April 2021.

Hinweis: Aufgrund der aktuellen Verordnungen des Landes Rheinland-Pfalz behalten wir uns vor die Ausstellung in den digitalen Raum zu verlegen. Weitere Informationen unter

www.zentrumbaukultur.de.

Termin

Mittwoch, 24. Februar 2021 – Donnerstag, 01. April 2021

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter:

Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Wir sind Heimat 2.0 | Zwischen Barock und Moderne

Orangerie mit Neubau Stadthalle © Kreisverwaltung Donnersbergkreis

Donnersbergkreis

Nur wenige Jahre diente die Orangerie aus dem frühen 18. Jahrhundert dem Überwintern frostempfindlicher Pflanzen. Mehrfach umgebaut, wurde sie lange Zeit für Wohnzwecke genutzt. 2008 erwarb die Stadt das leerste-hende, in die Jahre gekommene Gebäude und ließ es aufwendig sanieren. Gemeinsam mit der 2013 eröffneten Stadthalle bildet die Orangerie heute das kommunikative und kulturelle Zentrum Kirchheimbolandens.

 „Was lange währt, wird endlich gut. Aus der Idee einer Stadthalle vor über 25 Jahren ist ein echtes Schmuckstück für Stadt und Land geworden“, freut sich der ehemalige Stadtbürgermeister von Kirchheimbolanden, Klaus Hartmüller. „Zugleich konnten wir mit der Restaurierung der Orangerie ein Stück Stadtgeschichte bewahren.“

Von der Barockzeit in die Gegenwart
Unter den Fürsten Carl August von Nassau-Weilburg (1685-1753) und seinem Sohn Carl Christian (1735-1788) wurde Kirchheimbolanden zur Residenzstadt erhoben und erlebte eine Blütephase. Nicht nur der Bau des Schlosses fällt in diese Zeit, sondern auch die Errichtung der Orangerie mit angrenzendem Küchengarten. „Mit der Instandsetzung der Orangerie ist uns eine denkmalgerechte Umnutzung sowie eine Aufwertung des Rathausumfeldes gelungen. Der Erhalt historischer Bausubstanz war uns dabei besonders wichtig“, erläutert Hartmüller. Bei der Dachsanierung wurde Originalgebälk aufgearbeitet, altes Gebälk verstärkt, neues eingezogen. Auch die für die Barockzeit typische Schwanenhalskonstruktion – eine im oberen Bereich nach vorne gewölbte Wand, die als Sonnenfang diente – sowie die großen, schräggestellten Fensterfronten auf der Südseite, die einst zugemauert worden waren, wurden wiederhergestellt. Der vorgelagerte Brunnen wurde reaktiviert und Heilkräuter und blühende Stauden gepflanzt, die an den früheren Küchengarten erinnern.

Schritt in die Zukunft
„Die vom Mannheimer Architekturbüro SCHMUCKER und PARTNER geplante Stadthalle geht eine tolle Symbiose mit der Orangerie ein – nicht nur baulich, sondern auch dank das gesamtheitlichen Nutzungskonzeptes“, so Hartmüller. Höhenentwicklung, Dachausbildung und Kubatur des Neubaus orientieren sich an der historischen Vorgabe. Entstanden ist eine moderne Multifunktionshalle für Veranstaltungen mit bis zu 800 Personen, die durch einen überdachten Gang an den Altbau angeschlossen ist, in dem sich Gastronomie und weitere kleine Veranstaltungsräume befinden. Ausgestattet ist die Festhalle mit modernster Licht- und Bühnentechnik, aber auch innovativer Energietechnik: Sie ist angeschlossen an die Nahwärmeversorgung im Keller der Kreisverwaltung, eine Photovol-taikanlage auf dem Dach sorgt für Strom und in einer Zisterne wird Regenwasser gesammelt.

Ein Leuchtturmprojekt
„Mit dem Ensemble Stadthalle-Orangerie hat die Stadt den zentralen Treffpunkt erhalten, den sie so dringend benötigte“, so Hartmüller. Das hat auch das Land Rheinland-Pfalz erkannt und steuerte 3,7 Millionen Euro Fördermittel aus dem Investitionsstock zum rund 6,5 Millionen Euro teuren Bauprojekt hinzu. Weitere 1 Million Euro stammen aus dem Bund-Länderprogramm „Historische Stadtbereiche“ für das Fördergebiet „Barockstadt“.

Zwischen Barock und Moderne

Text: Lena Pröhl

Wir sind Heimat 2.0 | Nachgefragt: Lehm als Baustoff

Herbert Hofer © Heike Rost

Beton ist noch immer der mit Abstand am häufigsten verwendete Baustoff in Deutschland. Doch es tut sich etwas. Immer öfter wird auf umweltfreundlichere Baustoffe zurückgegriffen. Ein tolles Beispiel für das Bauen im Einklang mit dem Umweltschutz ist Lehm. Herbert Hofer vom Architekturbüro Enso aus Trier ist Lehm-Experte und erklärt im Interview, was das Material so attraktiv macht.

Wie wird Lehm als Baustoff verwendet?
H. Hofer: Lehm kann als tragender und nicht tragender Baustoff verwendet werden.
In unserer Region wird Lehm meistens als nicht tragender Baustoff genutzt. Hierbei wird ein Geflecht aus verschiedenen Hölzern mit Lehm beworfen und das Holz geht mit dem Lehm eine Symbiose ein – ein Material schützt also das andere. Der Lehm zieht die Feuchtigkeit an und hält das Holz trocken.

Woher kommt es, dass Lehm aktuell wieder so häufig verwendet wird?
H. Hofer: Lehm ist sehr gut für die Wohngesundheit. Er gleicht Feuchtigkeit aus und neutralisiert Gerüche, wodurch er im Wohnumfeld positiv auf die Bewohner wirkt. Hinzu kommt der beginnende Wandel im Denken und Handeln der Menschen. Der Trend geht zu nachhaltigen Baustoffen, die ohne großen Energieaufwand in den natürlichen Kreislauf zurückfallen oder wiederverwendet werden können.
Außerdem ist Lehm in den meisten Ländern auf der Welt verfügbar, während wir in Zukunft mehr und mehr Probleme bekommen werden, an die Materialien für moderne Baustoffe wie zum Beispiel Beton zu kommen. Und es ist ein dankbares Material für Selbstbauerinnen und Selbstbauer.

Gut, dass Sie die privaten Bauleute ansprechen. Lohnt sich für sie das Bauen mit Lehm auch finanziell?
H. Hofer: Es ist tatsächlich teurer als andere Materialien. Dennoch lohnt es sich, allein wegen der Wohngesundheit und der Nachhaltigkeit mit Lehm zu bauen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es häufig nicht bei den Kosten für die Beschaffung bleibt. Rechnet man den Abbruch und die Entsorgung obendrauf, ist der Lehm tatsächlich günstiger. Die Wirtschaftlichkeit ist aber ohnehin nur ein Aspekt von vielen. Viel wichtiger ist, dass wir unsere Erde einigermaßen in Takt halten und wir daran mehr und mehr arbeiten.

Nachgefragt: Lehm als Baustoff (PDF)

Interview David Kulessa

Wir sind Heimat 2.0 | Das älteste Wohnhaus im Ort

Alexander Mock © Torsten Zimmermann

Kaiserslautern Land

“Wenn ich’s mache, dann richtig”, nahm sich Alexander Mock im Juli 2018 vor, als er in den Besitz des Fachwerkhauses in der Münchhofstraße kam. Jetzt ist die Umnutzung und vorbildliche Sanierung des langjährigen Wohnhauses abgeschlossen.

Seit etwa zweieinhalb Jahren gehört das Fachwerkhaus in der Münchhofstraße in Hochspeyer Alexander Mock. Bekannt mit dem Haus ist der 50-jährige aber schon länger – 1995 war er mit seinem Studium zum Bauingenieur fertig und suchte für seine Diplomarbeit ein Thema. Seine Eltern hatten das denkmalgeschützte Haus ein Jahr zuvor gekauft und brauchten jemanden für die Bauaufnahme und Schadensdokumentation. Kurzerhand entschied er sich, das Haus zum Thema seiner Diplomarbeit zu machen. „Und 25 Jahre später setze ich sie fort.“
Während der Sanierungsarbeiten hat sich der Bauherr auch mit der Geschichte des 1736 erbauten Hauses beschäftigt. „Es ist das nachweislich älteste im Ort“, sagt er.
Im Zuge der Sanierung hat der Bauingenieur einiges verändert. „Ein Großteil der Fachwerkfassaden musste erneuert werden“, erzählt Alexander Mock. Dabei wurden die Gefache mit Lehmsteinen ausgemauert und die Innenflächen mit zwei Zentimeter Lehm überputzt. Auf die Installation der Wandheizung kamen noch einmal vier Zentimeter Lehm. Die Verwendung von Lehm als Baustoff ist eine sehr alte und vor allem ökologische Art, das Holz trocken zu halten.
“Ich hatte zuletzt immer mal wieder Freunde zu Besuch und die sagen ganz oft, in dem Haus sei ein sehr angenehmes Wohnklima”, berichtet Alexander Mock. Lehmputz ist dampfdurchlässig und wirkt somit regulierend auf Wärme- und Feuchtehaushalt. Langfristig soll das frisch sanierte Haus als Ferienhof sowie Event- und Kulturhaus dienen, aktuell nutzt Alexander Mock es vor allem als Homeoffice.
Viele schrecken vor dem Kauf und der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden zurück, weil sie sich nicht mit den Vorschriften der Behörden auseinandersetzen wollen und Einmischung befürchten. Alexander Mock hat solche Erfahrungen nicht gemacht: „Ich habe ziemlich viel freie Hand gehabt.“ Es habe immer mal wieder Besuche, Telefonate und den Austausch von Fotos gegeben, aber ihm seien nie Steine in den Weg gelegt worden.
Alexander Mock arbeitet inzwischen nicht mehr ausschließlich als Bauingenieur. Als ÖPNV-Referent bei der Stadt Ludwigshafen hat er überwiegend mit kaufmännischen und juristischen Themen zu tun. „Dank diesem Projekt hier habe ich mich mal wieder wie ein Bauingenieur gefühlt, das war wirklich schön.“

Das älteste Wohnhaus im Ort (PDF)

Text: David Kulessa

Wir sind Heimat 2.0 | Nachgefragt: Förderung

Porträt Annette Diederich © Privat

Viele private Bauvorhaben scheitern schlicht am Geld. Um das zu verhindern, gibt es unter anderem das Dorferneurungsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz, das eine nachhaltige und zukunftsbeständige Entwicklung des Dorfes unterstützt und das Dorf als eigenständigen Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturraum erhalten will. Annette Diederich von der Kreisverwaltung Kaiserslautern erklärt, wie Privatpersonen Unterstützung für ihre Projekte erhalten können.

Welche Förderprogramme für private Bauvorhaben gibt es?
A. Diederich: Es gibt eine Vielzahl an Förderprogrammen mit jeweils unterschiedlichen Förderschwerpunkten. In der Zuständigkeit der Kreisverwaltungen als Bewilligungsbehörde liegt die Dorferneuerung. Diese fördert nach der Verwaltungsvorschrift “VV-Dorf” des Innenministeriums kommunale und private Bauvorhaben im ländlichen Raum. Privatleute in kleinen Gemeinden können unter Beachtung gestalterischer und inhaltlicher Vorgaben bis zu 35% der förderfähigen Kosten und insgesamt bis zu 30.000€ Dorferneuerungsmittel bewilligt bekommen. Der Rahmen der Bewilligung richtet sich nach jährlich unterschiedlichen Förderkontingenten und der Qualität des Bauvorhabens.

Müssen Projekte bestimmte Anforderungen erfüllen, um gefördert zu werden?
A. Diederich: Bei Umbau oder Sanierung von privaten Bauvorhaben müssen zuerst grundsätzlich die Fördervoraussetzungen nach “VV-Dorf” eingehalten werden. Im Normalfall bedeutet das: Ein ortsbildprägendes Gebäude soll nach bestandsorientierten Gestaltungskonzepten umgebaut oder saniert werden und zwar am besten im Ortskern. Die Vorgaben zur Baugestaltung orientieren sich an der historischen, handwerklich geprägten Bautradition der Region. Die regionaltypischen Vorgaben zu Dach, Fassade, Außenanlagen und Einfriedungen können mit der Dorferneuerungsstelle abgestimmt werden. Kurz gesagt fördert die Dorferneuerung durch ihre Auflagen eine gewisse Bauqualität, die zur Attraktivierung der Dörfer und Baukultur beitragen soll.

An wen können sich die Menschen wenden, um Unterstützung zu erhalten?
A. Diederich: Interessierte können sich zur Beratung an an die jeweiligen Kreisverwaltungen wenden und auf deren Webseiten vieles nachlesen. Im Kreis Kaiserslautern-Land (www.kaiserslautern-kreis.de) bin ich für Sie da.

Interview (PDF)

Interview: David Kulessa

Wir sind Heimat 2.0 | Nachgefragt: Industriedenkmal

Porträt Dr. Clev © Martin Koch

Viele denken bei Denkmalschutz an Kirchen, Schlösser und Burgen. Doch auch ehemalige Industriestätten können unter Denkmalschutz stehen. Warum das so ist und was Industriedenkmäler ausmacht, erklärt Dr. Clev im Interview. Er ist Leitender Planer der Planungsgemeinschaft Westpfalz sowie Geschäftsführer der ZukunftsRegion Westpfalz, die als Verein für ein besseres Image innerhalb und außerhalb der Region sorgt.

Wieso stehen ehemalige Industriestätten unter Denkmalschutz?
Dr. Clev: Es gibt Industriestätten, die für eine Region, einen Wirtschaftszweig oder eine Epoche symbolischen Charakter haben. Das betrifft die Bauten ebenso wie die Industrieanlagen in oder neben den Hallen. Sie helfen, Zusammenhänge zu verstehen und sie sind ein Glied in einer Kette der industriellen Entwicklung – zwischen Manufaktur und digitaler Wirtschaft. Die Grenzen des Machbaren wurden dank neuer Techniken und Materialien immer weiter verschoben. Industriebauten dokumentieren somit eine Entwicklungsstufe in der Bautechnik. Sie sind aber auch ein Spiegelbild ihrer Epoche. Vieles, was wir heute aus fernen Ländern beziehen, wurde früher vor Ort hergestellt. Ihre Erhaltung in bestimmten Fällen also sinnvoll, zumal viele im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden.
 
Worauf muss bei Industriedenkmälern baulich geachtet werden?
Dr. Clev: Industriedenkmäler sind selten singuläre Objekte. Es sind meist Ensembles, daher ist bei ihrem Schutz darauf zu achten, dass das Umfeld erhalten bleibt oder zumindest dokumentiert wird. Dies betrifft nicht nur Nebengebäude der Kernproduktionsstätten, sondern auch das „menschliche“ Drumherum: Herrenhäuser, Kapellen, Arbeiterwohnungen, Stallungen, aber auch Schlösser oder Parks, welche die Eigentümer für sich und ihre Arbeiter errichten ließen. Das war Ausdruck der Verantwortung der Industriellen für ihre Arbeitnehmer.

Wer ist die Familie Gienanth und was hat sie der Region hinterlassen?
Dr. Clev: Die Gienanths waren eine aus der Schweiz zugewanderte Familie, die mit ihrer Stahl- und Eisenproduktion half, eine im Dreißigjährigen Krieg geschundene Region wiederaufzubauen und auf den Weg der Industrialisierung zu bringen. Vieles, was wir bis heute kennen, geht auf das Wirken der Gienanths zurück. Die heutige Wirtschaftsstruktur ist in weiten Teilen ein Erbe des Wirkens der Industriellenfamilie.

Nachgefragt: Industriedenkmal (PDF)

Interview Lena Pröhl

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