Auf Entdeckungstour

… waren in diesem Jahr wieder rund 12.000 Architekturinteressierte beim Tag der Architektur in Rheinland-Pfalz. Dazu kamen mehrere hundert Besucher bei den vielfältigen Veranstaltungen der woche der baukultur.

Menschengruppe im Garten eines Hauses, von innen nach außen fotografiert

Wie bei jedem Tag der Architektur waren auch in diesem Jahr wieder die teilnehmenden Wohnhäuser Publikumslieblinge. Hier das Wohnhaus Neupert in Neustadt/ Weinstraße von Architekt Erwin Becker / Foto: Alexander Chmarin

An seinem 20. Jubiläum zeigte der Tag der Architektur, dass Gebäude nicht nur für Zweibeiner eine wesentliche Rolle spielen: In diesem Jahr war unter den 60 spannenden Projekten, die am letzten Juniwochenende zur Besichtigung und Gesprächen mit Bauherren und Architekten einluden, auch das neue Tierheim am Stadtrand von Kaiserslautern. Die Architekten des mit Passivhauselementen errichteten Gebäudes waren mit der Zahl von insgesamt rund 160 Besuchern, die sich für das nicht ganz alltägliche Bauvorhaben interessierten, sehr zufrieden. Ein weiteres außergewöhnliches Projekt war die Burgruine Balduinseck in Buch.

Abbildung eines zweigeschossigen Gebäudes mit Holzfassade, im Vordergrund zwei Personen mit einem Hund an der Leine.

Tierheim Kaiserslautern: a-4 ingenieur GmbH / Foto: Harald Lang

Ausschnitt einer Burgruine - drei Männer stehen in einem Torbogen, einer zeigt mit dem Finger auf etwas außerhalb des Bildes

Die Ruine Balduinseck nach Bestandssicherung und Restaurierung: jäckel architekten / Foto: Annette Müller

Auf erwartungsgemäß besonders großes Interesse stießen wieder die Wohnhäuser. Deren Architekten und Bauherren nahmen den großen Ansturm jedoch gelassen und beantworteten geduldig die teilweise sehr detaillierten Fragen. Doch auch öffentlich zugängliche Gebäude, wie die innen sanierte protestantische Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße oder die Sporthalle der Goetheschule plus und der Info-Point des Archäologischen Zentrums in Mainz zogen zahlreiche Besucher an. Hier zeigte sich, wie sehr gute Architektur bewegt und das Miteinander fördert. Mit Rahmenveranstaltungen wie Schauküche, Fußballturnier und Kinderwerkstatt präsentierten sich die Gebäude als selbstverständlich in Beschlag genommene Gemeinschaftsangebote.

Drei Personen, fotografiert von oben, die sich an innen an bodentiefe Fensterscheiben gehängte Baupläne ansehen

Wohnhaus Schneider in Mainz: Die Besucher konnten Einblick in die Baupläne nehmen. Architekt: Michael Schneider, schneiderarchitektur / Foto: Annette Müller

Die wichtigsten Informationsquellen zum Tag der Architektur sind nach wie vor die Zeitungen, aber auch die Architekten und Bauherren selbst oder das Internet und weitere Medien. So berichtete unter anderem der SWR in seiner Landesschau. Als Tippgeber dienen zudem Freunde, Bekannte oder Facebook-Einträge. Die Resonanz am Jubiläum war jedenfalls erneut erfreulich groß: Rund 12.000 Menschen machten in Rheinland- Pfalz vom Angebot Gebrauch, kostenlos und unverbindlich vorbeizuschauen, und dabei mit Bauherren und Architekten ins Gespräch zu kommen. Zahlreiche an Architektur interessierte Besucher sind dabei als „Wiederholungstäter“ unterwegs.

Menschengruppe, die auf den Eingang eines großen Gebäudes zuläuft, fotografiert von hinten. Im Hintergrund ist der Teil eines Stadtbusses zu sehen.

Teilnehmer der Bustour zu Objekten in und um Mainz. Foto: Katja Klenz

Nahezu ausgebucht an beiden Tagen war der traditionelle architektouren-Bus in und um Mainz. Auch in Koblenz und Umgebung bot sich die Möglichkeit, mit einem Bus die Projekte per Rundtour kennenzulernen. Wer sich lieber – getreu dem diesjährigen Motto „Architektur bewegt!“ – selbst in Bewegung setzen wollte, hatte bei einer geführten Radtour zu den Parks und Freiflächen der Stadt die Gelegenheit dazu. In Ingelheim nahm die Mitmach-Ausstellung „Hausgebaut“ den Tag der Architektur zum Anlass, Kinder mit dem Bus auf Entdeckungstour zu schicken. Ein rundes Dutzend Jungen und Mädchen zwischen acht und 14 Jahren erkundete mit Feuereifer die Häuser und stellten den Bauherren sowie Architekten zahllose Fragen. Das Fazit: Architektur bewegt – auch und gerade Kinder und Jugendliche. Daher soll der erste Kinderbus nicht der letzte gewesen sein.

Hinterkopf und Hand eines Mädchens, das durch einen in eien Mauer eingelassenen Briefschlitz guckt.

Kinder entdecken Architektur: Der Kinderbus in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. / Foto: Kristina Schäfer

woche der baukultur
Auch die abwechslungsreichen Veranstaltungen der Kammergruppen im Rahmen der woche der baukultur, die begleitend zum Tag der Architektur stattfindet, erhielten regen Zuspruch. In Trier organisierten Architektenkammer und Hochschule gemeinsam unter anderem Ausstellungen zu regionalen Bauprojekten, ausgezeichneten Studierendenarbeiten und Architekturpreisen sowie Werkberichte der Hamburger Architekten Ohle Flemming von bof architekten und Nicolas Britsch von DFZ ARCHITEKTEN.

Der traditionelle Sommerauftakt in der Pfalz auf der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben war trotz der großen Konkurrenz durch das zeitgleich stattfindende Spiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft ebenfalls eine erfolgreiche, rundum gelungene Veranstaltung. Zum thematischen Schwerpunkt „Sanieren – Nachverdichten – Abreißen?!“ gab der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands Dr. Harald Weber einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des Baugewerbes. Der Vortrag von Eva Lang vom Büro KNERER UND LANG Architekten zeigte, welch überraschender und intelligenter Umgang mit Bestandsbauten der jüngeren Vergangenheit, bei gleichzeitiger Erhaltung der architektonischen Aussagekraft, möglich ist.

Die Kammergruppe Koblenz/Neuwied lud zur „PechaKucha Night KOBLENZ meets ARCHITEKTUR“ ein und im Fokus der Initiative „Baukultur grenzenlos!“ stand regionale, dennoch grenzüberschreitende Baukultur im Grenzgebiet zu Frankreich.

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